Bava Metzia 101

Kapitel 101

א משום הכי חזרו
1 könne immer zurücktreten;
ב אלא אי אמרת מוכר נמי כלוקח דמי מאי נפקא להו מינה כי היכי דעבדי ליה רבנן תקנתא ללוקח הכי נמי עבדי ליה רבנן תקנתא למוכר
2 was aber ging sie das an, wenn du sagst, der Verkäufer gleiche diesbezüglich dem Käufer, wie die Rabbanan eine Vorsorge für den Käufer getroffen haben, ebenso haben sie ja eine Vorsorge auch für den Verkäufergetroffen? –
ג תגרי לוד לא שכיח דטעו
3 Die Kaufleute von Lud pflegten sich nicht zu irren.
ד אושפזיכניה דרמי בר חמא זבין חמרא וטעה אשכחיה דהוה עציב א"ל אמאי עציבת א"ל זביני חמרא וטעאי א"ל זיל הדר בך אמר ליה הא שהאי לי יותר מכדי שאראה לתגר או לקרובי שדריה לקמיה דרב נחמן א"ל לא שנו אלא לוקח אבל מוכר לעולם חוזר
4 Einst verkaufte der Wirt des Rami b. Ḥama einen Esel und irrte sich; als ihn dieser darauf betrübt antraf und ihn fragte, weshalb er betrübt sei, erwiderte er ihm, er habe einen Esel verkauft und sich geirrt. Da sprach er zu ihm: Geh, tritt zurück. Jener erwiderte: Ich habe bereits länger gewartet, als bis ich ihn einem Kaufmanne oder einem Verwandten hätte zeigen können. Da sandte er ihn zu R. Nahm an, und dieser sprach: Dies gilt nur vom Käufer, der Verkäufer aber kann immer zurücktreten. –
ה מאי טעמא לוקח מקחו בידו כל היכא דאזיל מחוי ליה ואמרי ליה אי טעה אי לא טעה מוכר דלא נקט מקחיה בידיה עד דמיתרמי ליה זבינתא כזבינתיה וידע אי טעה ואי לא טעה
5 Weshalb? – Der Käufer hat die Ware in der Hand, und wohin er auch kommt, kann er sie zeigen und man ihm sagen, ob er sich geirrt habe oder nicht; der Verkäufer aber hat die Ware nicht in der Hand, und erst wenn er eine Ware gleich der von ihm verkauften sieht, kann er erfahren, ob er sich geirrt habe oder nicht.
ו ההוא גברא דהוה נקט ורשכי לזבוני קרי שיתא ושויא חמשא ואי הוו יהבי ליה חמשא ופלגא הוה שקיל אתא ההוא גברא ואמר אי יהיבנא ליה חמשא ופלגא הויא מחילה אתן ליה שיתא ואתבעיה לדינא אתא לקמיה דרבא א"ל לא שנו אלא בלוקח מן התגר אבל בלוקח מבעל הבית אין לו עליו אונאה
6 Einst bot jemand einen Gürtelzum Verkaufe an; er verlangte sechs und er war nur fünf wert, wenn man ihm aber fünfeinhalb gegeben hätte, würde er genommen haben. Da kam ein Mann, der also dachte: gebe ich ihm fünfeinhalb, so ist dies Verzicht, ich will ihm lieber sechs geben und ihn nachher verklagen. Als er hierauf vor Raba kam, sprach dieser: Dies gilt nur von dem Falle, wenn man etwas von einem Kaufmanne gekauft hat, wenn aber von einem Privatmanne, so hat man keine Übervorteilungsansprüche.
ז ההוא גברא דהוה נקיט כיפי לזבוני קרי שתין ושוי חמשין ואי הוו יהבי ליה חמשין וחמשא הוה שקיל אתא ההוא גברא ואמר אי יהיבנא ליה חמשין וחמשא הויא מחילה אתן ליה שיתין ואתבעיה לדינא אתא לקמיה דרב חסדא א"ל לא שנו אלא בלוקח מן התגר אבל בלוקח מן בעל הבית אין לו עליו אונאה
7 Einst bot jemand Pretiosen zum Verkaufe an; er verlangte sechzig und sie waren fünfzig wert, wenn man ihm aber fünfundfünfzig gegeben hätte, würde er genommen haben. Da kam ein Mann, der also dachte: gebe ich ihm fünfundfünfzig, so ist dies Verzicht, ich will ihm lieber sechzig geben und ihn nachher verklagen. Als er hierauf vor R. Ḥisda kam, sprach dieser: Dies gilt nur von dem Falle, wenn man etwas von einem Kaufmanne gekauft hat, wenn aber von einem Privatmanne, so hat man keine Übervorteilungsansprüche.
ח א"ל רב דימי ישר וכן אמר רבי אלעזר ישר והא אנן תנן כשם שאונאה להדיוט כך אונאה לתגר מאן הדיוט לאו בעל הבית אמר רב חסדא בצדרייתא אבל מאני תשמישתיה דיקירי עליה לא מזבין להו אי לאו בדמי יתירי:
8 R. Dimi sprach zu ihm: Recht so. Ebenso sagte auch R. Elea͑zar: Recht so. – Wir haben ja aber gelernt, wie es eine Übervorteilungfür einen Laien gibt, ebenso gebe es eine Übervorteilung für einen Kaufmann, und unter Laien ist ja wahrscheinlich ein Privatmann zu verstehen!? R. Ḥisda erwiderte: Bei Weißwaren; Benutzungsgegenständeaber, die einem lieb sind, verkauft man nur um einen höheren Preis.
ט <big><strong>מתני׳</strong></big> אחד הלוקח ואחד המוכר יש להן אונאה כשם שאונאה להדיוט כך אונאה לתגר ורבי יהודה אומר אין אונאה לתגר מי שהוטל עליו ידו על העליונה רצה אומר לו תן לי מעותי או תן לי מה שאניתני:
9 <b>S</b><small>OWOHL FÜR DEN</small> K<small>ÄUFER ALS AUCH FÜR DEN</small> V<small>ERKÄUFER GIBT ES EINE</small> Ü<small>BERVORTEILUNG</small>, <small>WIE ES EINE</small> Ü<small>BERVORTEILUNG FÜR EINEN</small> L<small>AIEN GIBT, SO GIBT ES EINE</small> Ü<small>BERVORTEILUNG AUCH FÜR EINEN</small> K<small>AUFMANN</small>. R. J<small>EHUDA SAGT, FÜR EINEN</small> K<small>AUFMANN GEBE ES KEINE</small> Ü<small>BERVORTEILUNG</small>. W<small>ER ÜBERVORTEILT WORDEN IST, HAT DIE</small> O<small>BERHAND, ER KANN NACH</small> B<small>ELIEBEN ENTWEDER SEIN</small> G<small>ELD ZURÜCKVERLANGEN, ODER DEN</small> B<small>ETRAG, UM DEN ER ÜBERVORTEILT WORDEN IST</small>.
י <big><strong>גמ׳</strong></big> מנהני מילי דת"ר (ויקרא כה, יד) וכי תמכרו ממכר לעמיתך אל תונו אין לי אלא שנתאנה לוקח נתאנה מוכר מנין תלמוד לומר (ויקרא כה, יד) או קנה אל תונו
10 GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:<i>Wenn da etwas an deinen Nächsten verkaufst, so sollst du nicht übervorteilen</i>; ich weiß dies nur von dem Falle, wenn der Käufer übervorteilt worden ist, woher dies von dem Falle, wenn der Verkäufer übervorteilt worden ist? Es heißt: <i>oder kaufst, so sollst du nicht übervorteilen</i>.
יא ואיצטריך למכתב לוקח ואיצטריך למכתב מוכר דאי כתב רחמנא מוכר משום דקים ליה בזבינתיה אבל לוקח דלא קים ליה בזבינתיה אימא לא אזהריה רחמנא בלא תונו
11 Dies mußte sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer geschrieben werden. Würde der Allbarmherzige es nur vom Verkäufer geschrieben haben, so könnte man glauben, weil er seine Ware genaukennt, nicht aber habe der Allbarmherzige dem Käufer, der die Ware nicht kennt, die Übervorteilung verboten.
יב ואי כתב רחמנא לוקח משום דקא קני דאמרי אינשי זבנית קנית אבל מוכר דאבודי קא מוביד דאמרי אינשי זבין אוביד אימא לא אזהריה רחמנא בלא תונו צריכא:
12 Und würde der Allbarmherzige es nur vom Käufer geschrieben haben, so könnte man glauben, weil er der Käufer ist, von dem die Leute zu sagen pflegen: hast du etwas gekauft, so hast du es, dem Verkäufer aber, von dem die Leute zu sagen pflegen: wer verkauft, verliert, habe der Allbarmherzige die Übervorteilung nicht verboten. Daher ist beides nötig.
יג רבי יהודה אומר אין אונאה לתגר: משום שהוא תגר אין לו אונאה
13 R. J<small>EHUDA SAGT, FÜR EINEN</small> K<small>AUFMANN GEBE ES KEINE</small> Ü<small>BERVORTEILUNG</small>. Weil er Kaufmann ist, hat er keine Übervorteilungsansprüche!?
יד אמר רב נחמן אמר רב בתגר ספסר שנו מאי טעמא מידע ידע זבינתיה כמה שויא ואחולי אחיל גביה והאי דזבנא הכי משום דאתרמיא ליה זבינתא אחריתי
14 R. Naḥman erwiderte im Namen Rabhs: Sie lehrten dies von einem Zwischenhändler, und zwar aus dem Grunde, weil er den Wert der Ware kennt und auf [die Differenz] verzichtet; er hat sie nur deshalb dafürverkauft, weil sich ihm etwas anderes gebotenhatte,
טו והשתא מיהא קא הדר ביה רב אשי אמר מאי אין לתגר אונאה אינו בתורת אונאה שאפילו פחות מכדי אונאה חוזר תניא כוותיה דרב נחמן רבי יהודה אומר תגר אין לו אונאה מפני שהוא בקי:
15 und nun will er zurücktreten. R. Aši erklärte: Unter ‘für einen Kaufmann gibt es keine Übervorteilung’ ist zu verstehen, bei ihm hat das Gesetz von der Übervorteilungkeine Geltung; er kann zurücktreten, auch wenn die Übervorteilung den festgesetzten Betrag nichterreicht. Übereinstimmend mit R. Naḥman wird gelehrt: R. Jehuda sagt, für einen Kaufmann gebe es keine Übervorteilung, weil er sachverständig ist.
טז מי שהוטל עליו ידו על העליונה וכו': מני מתניתין לא רבי נתן ולא רבי יהודה הנשיא
16 W<small>ER ÜBERVORTEILT WORDEN IST, HAT DIE</small> O<small>BERHAND &amp;C</small>. Unsere Mišna vertritt weder die Ansicht R. Nathansnoch die R. Jehuda des Fürsten;
יז אי רבי נתן מתניתין קתני רצה וברייתא לא קתני רצה אי רבי יהודה הנשיא מתניתין קתני לוקח ברייתא קתני מוכר
17 die des R. Nathan nicht, denn in der Mišna lehrt er, ‘nach Belieben’ und in der Barajtha heißt es nicht ‘nach Belieben’, und die R. Jehuda des Fürsten ebenfalls nicht, denn die Mišna lehrt dies vom Käufer und die Baraithalehrt dies vom Verkäufer!?
יח (סימן ז"ב ר"ש)
18 
יט אמר רבי אלעזר אונאה זו איני יודע מי שנאה רבה אמר לעולם רבי נתן היא ותני נמי בברייתא רצה רבא אמר לעולם ר' יהודה הנשיא היא ומאי דשייר במתניתין קא מפרש בברייתא אמר רב אשי דיקא נמי דקתני אחד הלוקח ואחד המוכר ומפרש ליה ללוקח שמע מינה שיוריה שייריה למוכר שמע מינה
19 R. Elea͑zar erwiderte: Wer diese [Lehre von der] Übervorteilung gelehrt hat, weiß ich nicht. Rabba erwiderte: Tatsächlich ist es R. Nathan, nur lese man auch in der Barajtha ‘nach Belieben’. Raba erwiderte: Tatsächlich ist es R. Jehuda der Fürst, denn was er in der Mišna fortläßt, ergänzt er in der Barajtha. R. Aši sagte: Dies ist auch zu beweisen; er lehrt: sowohl der Käufer als auch der Verkäufer, und darauf erklärt er dies nur vom Käufer; schließe hieraus, daß er es vom Verkäufer nur fortläßt. Schließe hieraus.
כ איתמר האומר לחבירו על מנת שאין לך עלי אונאה רב אמר יש לו עליו אונאה ושמואל אמר אין לו עליו אונאה לימא רב דאמר כרבי מאיר ושמואל דאמר כרבי יהודה
20 Es wurde gelehrt: Wenn jemand mit seinem Nächstenvereinbart: mit der Bedingung, daß du an mich keine Übervorteilungsansprüche hast, so hat er, wie Rabh sagt, an ihn trotzdem Übervorteilungsansprüche, und wie Šemuél sagt, keine Übervorteilungsansprüche. – Es wäre anzunehmen, daß Rabh der Ansicht R. Meírs und Šemuél der Ansicht R. Jehudas ist.
כא דתניא האומר לאשה הרי את מקודשת לי על מנת שאין לך עלי שאר כסות ועונה הרי זו מקודשת ותנאו בטל דברי ר"מ רבי יהודה אומר בדבר שבממון תנאו קיים
21 Es wird nämlich gelehrt: Wenn jemand zu einer Frau spricht: sei mir angetraut mit der Bedingung, daß du an mich keinen Anspruch auf Kost, Kleidung und Beiwohnung hast, so ist sie ihm angetraut und die Vereinbarung ist nichtig – so R. Meír; R. Jehuda sagt, hinsichtlich der Geldsachenist die Vereinbarung gültig. –
כב אמר לך רב אנא דאמרי אפי' לר' יהודה עד כאן לא קאמר ר' יהודה התם אלא דידעה וקא מחלה
22 Rabh kann dir erwidern: meine Ansicht gilt auch nach R. Jehuda, denn R. Jehuda vertritt seine Ansicht nur in diesem Falle, wo sie es weißund darauf verzichtet,